Modernisierung der Stadtverwaltung

Modernisierung der Stadtverwaltung

Bürgernetzwerk Bensheim fordert modernes und transparentes Verfahren zur Modernisierung der Stadtverwaltung Bensheim

Das Bürgernetzwerk Bensheim begrüßt grundsätzlich die Entscheidung der Stadt Bensheim, zur Modernisierung und Effizienzsteigerung der Verwaltung einen externen Beratungsprozess einzuleiten. Das ist eine der wesentlichen Empfehlungen aus den Veranstaltungen des Bürgernetzwerks sowie der kommunalen Beratungsstelle des Landes Hessen an die Stadt.
„Die erforderliche Modernisierung der Verwaltung ist ein Beispiel dafür, dass in einer großen Krise auch große Chancen stecken“ schreibt das Bürgernetzwerk und weiter: „Wenn wir es richtig machen, dann können wir Bensheim als Modellkommune entwickeln und gemeinsam das vorhandene große Potential unserer Heimatstadt optimal nutzen“.

Allerdings hält das Bürgernetzwerk das bisher bekannte städtische Vorgehen zur Modernisierung für nicht ausreichend. Denn die städtische Pressemitteilung vom 28. Juli 2025 verweist zwar auf ein „Leistungsverzeichnis“, dessen Erstellung man aktuell vorbereite, allerdings ohne vorherige Abstimmung mit dem Magistrat, ohne Beteiligung der Stadtverordnetenversammlung und ohne Einbeziehung oder Information der Bürgerschaft. „Ein solcher Alleingang ohne offene Kommunikation untergräbt die Erfolgschancen der gesamten Beratung – und nimmt Bürgerinnen und Bürger wieder einmal nicht mit“, kritisiert das Bürgernetzwerk. Insbesondere bleibt die Zielvorgabe für die Beratung im Dunkeln, und genau diese benötigt aber einen breiten Konsens von Verwaltung, Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und Stadtgesellschaft.

Stattdessen schlägt das Bürgernetzwerk ein vierstufiges Verfahren vor:

    1. Abgestimmtes Konzept über das Vorgehen mit Magistrat und Parlament: Nur so ist die
      demokratische Legitimation gewährleistet und Transparenz von Beginn an sichergestellt.
    2. Marktfeldanalyse durch Interviews mit mindestens drei ausgewiesenen Expert:innen oder Berater:innen, die im Bereich kommunaler Verwaltungsmodernisierung beste Erfahrungen vorweisen können. Beispiele hierfür sind unter anderem etwa „moved consulting“ aus Mainz – spezialisiert auf Smart-City-Projekte und digitale Roadmaps – oder „PD – Berater der öffentlichen Hand“, eine vielfach ausgezeichnete Beratungseinheit des öffentlichen Sektors oder auch „Metaplan“, eine Gruppe, die ebenfalls derartige Prozesse anbieten. „Das sind jedoch lediglich Beispiele, keine Empfehlungen“, stellt das Bürgernetzwerk klar.
    3. Beteiligung der Bürgerschaft, um Praxiswissen, Anregungen und Ideen sowie Bedarfe der Stadtgesellschaft zu ermitteln und in die Zielvorgaben der Leistungsbeschreibung einfließen zu lassen.
    4. Durchführung eines „Request for Information (RFI)“, um Marktwissen, Technologiestandards, innovative Digitalstrategien und generell Best Practises einzubringen bevor eine förmliche Ausschreibung mit einer konkreten Leistungsbeschreibung erstellt wird. Bei einem derartigen RFI werden mögliche Anbieter angeschrieben, um vorab deren genaue Angebote und Verfahren kennenzulernen und auf dieser Grundlage eine für Bensheim passende Leistungsbeschreibung zu erstellen.

      Auch verweist das Bürgermetzwerk auf vorhandene gute Beispiele und Vorbilder aus anderen Kommunen, unter anderem auch in Hessen, die sich Bensheim genau anschauen sollte, um von den vorhandenen (guten und schlechten) Erfahrungen profitieren zu können. Zum Beispiel       
      • Fulda, Gießen, Limburg, Marburg, Offenbach und Wetzlar haben über das Projekt „Digitale
      Kommune@Hessen“ erfolgreich digitale Transformationskonzepte umgesetzt – gefördert
      vom Land und mit greifbaren Digitalisierungserfolgen.
      • Wiesbaden als Smart City-Pionier: Zahlreiche Verwaltungsleistungen sind dort bereits
      vollständig digitalisiert, insbesondere gibt es bürgerfreundliche Online-Angebote weit über
      gesetzliche Mindeststandards hinausgehend.
      • Zudem bietet das Land mit der Digitalen Modellbehörde, dem Projekt Kommunal Data
      Hessen und den geförderten Modellkommunen bewährte Blaupausen für eine moderne
      Verwaltungsstruktur.
      • Auch gibt es zahlreiche Projekte einer interkommunalen Zusammenarbeit, die weit über die in Bensheim bestehenden Kooperationen hinausgehen.

      Nach Ansicht des Bürgernetzwerks sollte die Stadt Bensheim aktiv den Dialog mit allen politischen Gremien und der Stadtgesellschaft suchen, den Markt explorieren und einen zeitgemäßen Ansatz zur Auswahl geeigneter Beratungspartner verfolgen bevor Fördermittel und Verwaltungskräfte durch einen schlecht geplanten Ausschreibungsprozess verschwendet und am Ende gar etablierte Ineffizienzen reproduziert werden. „Bensheim braucht einen Neuanfang und nicht einen kontinuierlichen Reparaturbetrieb mit veralteten
      Werkzeugen. Wir wollen eine moderne, schlanke, effiziente, digitale und bürgernahe Verwaltung. Nur so können wir junge Talente gewinnen, Bürgerzufriedenheit erhöhen – und Bensheim nicht nur aber auch finanziell langfristig stabilisieren. Wir wollen eine mutige Verwaltungswende – digital, effizient, modern, offen für Neues – und nah an den Menschen,“ so das Bürgernetzwerk.

      Verantwortlich: Hans-Peter Meister, Weiherstrasse 7, 64625 Bensheim

MOBILITÄT UND SMART CITY BENSHEIM

MOBILITÄT UND SMART CITY BENSHEIM

Digitalisiertes 3D-Stadtmodell, © DLR Verkehr

Wenn man die Qualität einer Innenstadt ganzheitlich betrachten möchte, gehören viele Dinge dazu, die einem Betrachter nicht unbedingt zuerst einfallen. Ganzheitlich, die Vokabel ist vermutlich überstrapaziert. Dennoch hat das Bürgernetzwerk Bensheim von Anfang an den Ansatz, möglichst viele Aspekte vernetzt zu betrachten, die einen Einfluss auf die Stadtqualität haben. Das Ziel ist es dabei, eine möglichst hohe Aufenthalts- und Erlebnisqualität der Innenstadt zu schaffen, um sie zukunftsfähig aufzustellen.

In der Arbeitsgruppe „Mobilität“ unter der Leitung von Markus Bamberg und Norbert Diehl untersuchen wir die Frage, welchen Beitrag der Verkehr und seine ganzen Facetten auf diese Qualität einzahlen kann. Welchen Verkehr gibt es überhaupt in Bensheim, und wie wirkt er sich jeweils aus? Welche Megatrends sind überregional zu beobachten, und sind diese auch ein Thema für die Kommune? Wie kann die Gestaltung der Mobilität schrittweise umgesetzt werden, um der Vision Stück für Stück näher zu kommen?

Ergebnisse aus dem „Innenstadtdialog 2030 zur Entwicklung der Innenstadt“ von 2017

Seit 2018 haben wir zunächst die Ist-Situation analysiert, um in der Arbeitsgruppe eine fachlich grundierte Diskussion zu führen. Dabei fanden und finden noch immer viele Treffen mit der Stadtverwaltung, Verkehrsdezernat, Parteien, Verbänden und Institutionen im Bereich Mobilität statt. Ebenso wurden die Vorarbeiten ausgewertet, die es bereits im Innenstadt-Dialog/Rotes Sofa, im Green City Masterplan, im Luftreinhalteplan für das Gebiet Südhessen – Teilplan Bensheim, im Radverkehrskonzept, im Parkraumbewirtschaftungskonzept oder im Verkehrsentwicklungsplan gibt. Ziel ist es immer, von der Bevölkerung getragene Verbesserungen herbeizuführen, die auf die individuellen Bedürfnisse Bensheims passen. Es geht dabei nicht um Ideologien oder vorgefasste Meinungen, sondern um einen möglichst breiten Konsens. Erste Ergebnisse und Ziele haben wir bereits in einem Bürgerforum 2019 vorgestellt.

Formulierte Ziele für Verkehr und Mobilität:

  • Gute Erreichbarkeit der Innenstadt
  • Hohe Aufenthaltsqualität für alle Nutzer
  • Nachhaltige Mobilität für die Stadt

 

Mobilitätskonzept und Parkkonzept erarbeiten

Bensheim muss sich auf die veränderten Mobilitätsanforderungen der Zukunft einstellen. Das betrifft vor allem die intelligente Vernetzung von individuellem und öffentlichem Nahverkehr, die Infrastruktur für eine vermehrte Nutzung des Fahrrads, aber auch ein Parkraumkonzept, das die Innenstadt gegenüber der „grünen Wiese“ konkurrenzfähig hält. Hier spielt vor allem intermodale Mobilität eine Rolle: wie können die verschiedenen Verkehrsträger in der Zukunft kombiniert (z.B. Park+Ride oder Park+Bike) und der Verkehrsraum gerecht aufgeteilt werden?

Reduzierung der Umweltbelastung

Für die Steigerung der Lebensqualität ist eine Betrachtung der Umweltbelastung ein wichtiger Punkt. Megatrends sind hier die Minimierung des motorisierten Individualverkehrs (MIV) und ein umfassendes Verkehrskonzept. „Stadt- und Verkehrsplanung müssen zusammen gedacht werden. Es werden Orte gebraucht, in denen ausgehandelt wird, wie öffentliche Räume in Zukunft genutzt werden.“ (Dr. Cordelia Polinna, Urban Catalyst)

Zur Transparenz der Umweltbelastung ist ein Zusammenspiel von Digitalisierung und Apps zur Erfassung des Luftmessnetzes (CO2, NOX) erforderlich. Erste Smart-City-Diskussionen sind bereits geführt worden.

(Quelle: Bild von S. Hermann & F. Richter auf Pixabay)

Smart Mobility und Digitalisierung kommunaler Verkehrssysteme

Ein Schlüssel für eine gute, saubere und effiziente Mobilität ist die Digitalisierung. Sie hilft uns dabei, mehr Mobilität bei weniger Verkehr zu erreichen – und gleichzeitig weniger Emissionen auszustoßen. Dafür braucht es Lösungen, die mittels smarter Sensoren ermöglicht, die verschiedenen Verkehrsteilnehmer zeitlich exakt zu bestimmen. Diese Daten sind die Grundlage für ein Modell zur Schaffung von Anreizen, andere Verkehrsträger und -wege zu wählen und so zur Optimierung beizutragen.

Erfassung von Fahrzeugtypen sowie deren Fahrtrichtung. (Quelle: stock.adobe.com)

Das Bürgernetzwerk informiert sich ständig über Entwicklungen und Projekte im Bereich der Digitalisierung und hat auch schon verschiedene Referenzprojekte kennengelernt (Parksystem Langenfeld, Smart City Darmstadt und Mannheim, LoRaWAN-Projekte im Kreis Bergstraße).

Im Blick sind dabei immer die Möglichkeiten, was davon wie in Bensheim realisiert werden kann und – wie bereits zu Beginn geschrieben – auf das Ziel Stadtentwicklung einzahlt.

Leitthemen für die weiteren Aktivitäten:

  • Vernetzung diverser Mobilitätsangebote (Car-Sharing, nextbike, E-Ladestationen)
  • Transparenz der Verkehrs- und Umweltsituation durch digitale Messstellen
  • Ausbau des Netzes verschiedener Verkehrsteilnehmer (ÖPNV, Fahrrad, Fußgänger, Auto u.A.)
  • Online-Parkleitsystem (auch Fahrrad), kombiniert mit intermodalem Verkehrsnutzen
  • Mobilitätsportal Bensheim

Schaubild Mobilitätsportal (Quelle: team red / Thorsten Gehrlein)